Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 12.12.2013 - 12.12.2013

DGB besorgt über die Verfestigung der Armut im Hartz IV-System im Vulkaneifelkreis

Die Verfestigung der prekären Lebensverhältnisse ist bedrückend, wenn mehr als ein Drittel der Hartz IV-Bezieher im Vulkaneifelkreis mindestens vier Jahre auf staatliche Fürsorge angewiesen sind.

„Dem Hartz IV-System ist es bisher nicht gelungen, eine Verfestigung prekärer Lebenslagen zu verhindern“, sagt DGB-Kreisverbandsvorsitzender Ulli Meyer. Nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren 3,6 Prozent der erwerbsfähigen Menschen im Vulkaneifelkreis Ende 2012 auf Hartz IV-Leistungen angewiesen, das waren 12.294 Einwohner im Alter von 15-64 Jahren. Besorgniserregend sei, so der DGB, dass Hartz IV-Empfänger/innen im Vulkaneifelkreis lange im staatlichen Fürsorgebetrieb verbleiben. Über die Hälfte der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher/innen der Region sind bereits im Langzeitbezug und haben in den letzten zwei Jahren mindestens 21 Monate Hartz IV bezogen. 36,6 Prozent aller Empfänger/innen im Alter von 15-64 Jahren sind sogar seit mindestens vier Jahren auf Hartz IV angewiesen. „Selbst wenn der Vulkaneifelkreis besser als der deutsche Durchschnitt dasteht, sind die Zahlen erschreckend. Wir dürfen nicht die Augen vor der Situation verschließen“, so Meyer.

„Die Anzahl dieser hilfebedürftigen Menschen im Vulkaneifelkreis geht weit über die der Arbeitslosen hinaus. Viele Hartz IV-Bezieher/innen befinden sich in Fördermaßnahmen oder gehen einer Beschäftigung nach, die durch niedrige Löhne, eine geringe Stundenzahl oder durch eine kurzfristige Dauer nicht existenzsichernd und damit prekär ist. Andere haben Betreuungspflichten oder befinden sich noch in der Ausbildung“, erläutert Meyer. Trotz der Verhärtung im Hilfebezug gibt es auch im Hartz IV-System relativ viel Bewegung. Ständig kommen andere hinzu, während andere doch immer wieder dem Hilfebezug auf Zeit, wenige dauerhaft, entgehen können.

Erstmals hat der DGB in Trier differenzierte Daten zum Eintritts- und Verbleibsrisiko im Hartz IV-System vorgelegt. Ihnen zufolge liegt das Eintrittsrisiko in Hartz IV für Erwerbsfähige im vergangenen Jahr im Vulkaneifelkreis bei 2,2 Prozent. Über 2 Prozent der Bevölkerung von 15-64 Jahren muss innerhalb eines Jahres Hartz IV beantragen. Bei dem Risiko hilfebedürftig zu bleiben, lässt sich für die Region festhalten, dass nur knapp der Hälfte der Hartz IV-Beziehenden im ersten Jahr die Überwindung der Hilfebedürftigkeit gelingt.

Angesichts der Situation im Vulkaneifelkreis fordert der DGB Jobcenter und die Kommunen im Vulkaneifelkreis zu mehr Anstrengungen zur Vermeidung und zum Abbau von Langzeitbezug auf. „Dazu braucht es eine stärkere Professionalisierung der Betreuung. Stabilisierungs-, Unterstützungs- und Eingliederungsmaßnahmen müssen stärker am Ziel der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Zudem müssten die sozialintegrativen Maßnahmen der Kommunen und der Träger - wie Schuldnerberatung, etc. – sowie Qualifizierungen für diese Zielgruppe ausgebaut werden. Ebenso sollten Menschen bei einer Jobvermittlung noch längere Zeit nachbetreut werden, um ein neues Arbeitsverhältnis möglichst stabilisieren zu können. Dabei ist vor allem die Bundesregierung gefordert: Durch die Kürzung der Arbeitsförderung in den vergangenen Jahren haben sich die Förderchancen für Hartz IV-Empfänger/innen massiv verschlechtert. Dies hat dazu beigetragen, dass viele Menschen längerfristig auf staatliche Fürsorge angewiesen sind. Aber auch die Unternehmen sollten mehr tun und Hartz IV-Empfängern und Empfängerinnen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben“, fordert Meyer.

 

Anhang

Hartz IV-Risiko Erwerbstätiger (15 – 64 Jahre) und Langzeitbezug im Vulkaneifelkreis im Vergleich zum Bundesdurchschnitt insgesamt, Dezember 2012

 

Hartz IV-Quote insgesamt 1)

Eintrittsrisiko 2)

Verbleibsrisiko unter 1 Jahr  3)

 

Langzeitbezug

 

 

 

 

21 Monate in den letzten 24 Monaten

4 Jahre und länger

Vulkaneifelkreis

3,6

2,2

56,5

56,9

36,6

Deutschland insgesamt

8,1

3,2

43,5

68,8

49,0

Quelle: DGB-Sonderauswertung der Hartz IV-Statistik

1) Bestand der erwerbsfähigen Hilfeempfänger/innen im Alter von 15-64 Jahren gemessen an der Bevölkerung

2) Zugang der eLb in Hartz IV-Bezug 2012 gemessen an der Bevölkerung

3) Anteil der Hartz IV-Empfänger/innen, die weniger als 1 Jahr kontinuierlich auf Hartz IV angewiesen sind


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