Deutscher Gewerkschaftsbund

12.12.2012

Lesung mit Ralf Bönt "Das entehrte Geschlecht" am 11.12.2012

Ralf Bönt (rechts) in der Diskussion mit DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Z. Schmitz (links).

Ralf Bönt (rechts) in der Diskussion mit DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Z. Schmitz (links). DGB Region Trier, Marcus Heintel

Auf Einladung des DGB Region Trier las der Autor Ralf Bönt am 11.12.2012 in der Europäischen Sportakademie aus seinem Buch "Das entehrte Geschlecht - Ein notwendiges Manifest für den Mann".

In der Einladung zu der Lesung wurde das Zitat von Jonathan Widder aus der Zeitschrift "Die Zeit" wiedergegeben: "Was vielleicht am meisten beeindruckt an diesem Buch, ist der Ton: Auch wenn Bönt über Verletzungen und intensive Empfindungen schreibt, verfällt er nie ins Gejammer. Stattdessen zeichnet sich sein Stil gerade durch seine Ehrlichkeit, seine Direktheit und seine Konsequenz aus. ... Bönt entwirft einen Mann der Zukunft, einen selbstbewussten, aufgeklärten Partner, den es braucht, um die Gleichberechtigung zu vollenden. Dieser Mann ist allerdings nicht einfach weich, sondern vor allem ehrlich zu sich selbst und konsequent und deshalb letztlich auch erfüllt. Ralf Bönt hat einen Ton gefunden, der es dem Mann erlaubt, die Anforderungen der Moderne zu erfüllen, ohne sich verstecken zu müssen. Mögen die Männer sein Buch lesen. Und die Frauen auch."

Das war Anlass genug für den DGB Region Trier den Autor einmal persönlich nach Trier einzuladen. Und so begrüßte DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Z. Schmitz den aus Berlin angereisten Autor und zitierte, vor dem Hintergrund des Jubiläumsjahres 2013, Karl Marx, der ausführte, dass die Emanzipation der beiden Geschlechter nur möglich sei, wenn es Freiheit und Emanzipation für die gesamte Gesellschaft gebe.

Ralf Bönt erwähnte zu Beginn seines Vortrages, dass er sein Buch am liebsten "Das Männermanifest" oder "Das ungeliebte Geschlecht" genannt hätte. Er habe sich über die Einladung des DGB als politischen Partner sehr gefreut. Er beklagte aus eigener Erfahrung und aus der von anderen Männern, mit denen er im Rahmen seiner Recherchen gesprochen hatte, das asymetrische Verhältnis zwischen Mutter, Kind und Vater. So berichtete er von einem Vater, der mit seiner Tochter auf dem Spielplatz war und - als einziger Mann am Ort - sich den Argwohn der anderen anwesenden Mütter zuzog, als er seiner Tochter hin und wieder die Strumpfhose zurecht rückte, da diese sich beim Spielen immer wieder verzog. Letztendlich musste sich der Vater der Polizei ausweisen, weil die Mütter ihn angeschwärzt hatten. Ebenso kritisierte er das Familienrecht, in dem leibliche Väter von Kindern, deren Mütter mit einem anderen Mann verheiratet seien, praktisch rechtlos sind, da das Recht davon ausgeht, dass immer der Ehegatte automatisch auch der Vater des Kindes sei.

Für sein Buch habe er drei Monate gebraucht, nachdem ihn Annette Anton von der Zeitschrift "Emma" dazu ermutigt hatte, sein Buch zu schreiben. Er kritisierte den Feminismus, der nach seiner Ansicht nicht die Befreiung der Frauen zum Ergebnis hatte, sondern deren Vermännlichung, wodurch nun Frauen gezwungen seien, jetzt genauso und in der gleichen Weise Karriere machen zu müssen wie Männer. Als früherer Anhänger habe er sich mittlerweile zum Gegner der Frauenquote gewandelt, weil zuletzt 2011 in den Führungsetagen gleichermaßen Frauen und Männer eingestellt worden seien. Andererseits hätten Männer in typischen Frauenberufen keine Chancen, Fuß zu fassen, wie beispielsweise in der Kindererziehung, in Grundschulen und Schulen der Mittelstufen. Erst in den Oberstufen seien Männer anzutreffen. Er forderte das Recht auf karrierefreies Leben; Männer sollten sich mehr um sich kümmern und nicht Feministen sein oder Frauenpolitik machen.

Außerdem stellte er die These auf, dass bei gleichen Lebens-Voraussetzungen die Lebenserwartung von Frauen und Männern annähernd gleich sei, wogegen in der hiesigen Gesellschaft Frauen im Schnitt eine um 10 % höhere Lebenserwartung hätten als Männer. Als Beispiel nannte er hierfür die "Kloster-Studie", bei der Frauen und Männer in einem Kloster unter gleichen Bedingungen lebten.

Außerdem arbeiteten Männer, wenn sie Väter sind, mehr als vorher, da sie die erste Rolle bei ihren Frauen mit der Geburt verlören. So hätten Männer auch nicht einen gleichberechtigten Teil an der Erziehung oder sind auch nicht mehr gleicher Teil des Lebens der Mutter bzw. des Kindes.

Darüber hinaus war er der Meinung, dass Männer zum eigenen Körper ein sehr distanziertes Verhalten an den Tag legen. Aus diesem Grunde gebe es auch eine Kultur der Gewalt gegen Männer, auch untereinander, zum Beispiel im Profifußball. Dort nähmen die schweren Verletzungen enorm zu. Der Männerkörper werde überall eingesetzt. Es fehle die Emanzipation der Männer von dieser Einstellung: ein Mann wird zum Macho, weil sich niemand um ihn kümmert, er werde nicht geehrt.

Den Thesen folgte noch eine intensive, lange und spannende Diskussion. Ralf Bönt war dabei nie provozierend, sondern warb für einen menschlicheren Umgang untereinander, insbesondere unter den Männern.


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